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Kampfkunst oder Kampfsport? Der feine Unterschied

Kampfkunst und Kampfsport ist doch das selbe! Oder etwa nicht? Wir erklären dir ausführlich den feinen Unterschied und die Zielsetzung beider Kampfarten.
Foto: Taekwondo performance by K-Tigers von KOREA.NET - Official page of the Republic of Korea CC BY 2.0

Diese beiden Begrifflichkeiten werden aus Unkenntnis der bestehenden Unterschiede meist in einen Topf geworfen. Unter Fachkreisen wird Kampfkunst und Kampfsport unterschiedlich betrachtet.

Die Zielgruppe. Wer will es erlernen?

Unzweifelhaft besteht das grundlegende Motiv für jeden, der zu kämpfen lernen will, sicherlich darin, sich verteidigen zu können. Fitness, Kondition, damit einhergehendes Wohlbefinden und Aussehen spielen ebenso wie das Erlebnis von Gemeinschaftsgefühl eine sekundäre Rolle.

Oftmals ist das Bedürfnis nach persönlicher Sicherheit und/oder eine durchlebte bedrohliche oder gar traumatisierende Situation auslösendes Element für den Entschluss, eines der vielen Angebote zum Thema Selbstverteidigung zu nutzen. In so weit unterscheidet sich das Klientel der verschiedenen Kampfschulen nicht.

Damit enden die Gemeinsamkeiten von Kampfsport und Kampfkunst auch schon.

Die Ziele von Kampfkunst oder Kampfsport

Durch die unterschiedliche Zielsetzung und Philosophie der beiden Richtungen verzweigt sich der eingeschlagene Weg jedoch sehr schnell.

Kampfsport Ziele:

Der Kampf, als Sport ausgeübt, stellt letzten Endes den Wettbewerb und damit den Vergleich zweier Sportler in einer sportlichen Disziplin in den Vordergrund. Daraus zieht er seine Legitimation, dadurch bedarf er einer starken und starren Regelungsmaterie, so bestimmt er die erwünschte Verhaltensveränderung des Schülers in Bezug auf Kondition, Technikbeherrschung und –vielfalt.

Zu diesem Regelwerk gehört der Ausschluss von Techniken, die den Gegner schwer verletzen, ihn dauerhaft schädigen oder gar töten würden. Auch die Einteilung in viele verschiedene Gewichtsklassen dient der Fairness und beugt ungleichen Paarungen und entsprechenden möglichen Verletzungen vor.

Spezielle Übungen der Ausdauererhöhung wie Seilspringen, Lauftraining und Sandsack/Pratzen-Training sind für einen sportlichen Kampf über mehrere Runden unerlässlich, da Kraft und Ausdauer mitentscheidende Faktoren für den Ausgang des Kampfes bilden.

Insgesamt trägt somit jeder Kampfsport dem olympischen Gedanken (es handelt sich auch tatsächlich mittlerweile um olympische Disziplinen!) ebenso viel Rechnung wie Gewichtheben oder Rudern.

Kampfkunst Ziele:

Die Kampfkünste hingegen unterliegen keiner „zivilisierten Beugung“ ihres Ursprungs: Entstanden aus der Not heraus, sich gegen bewaffnete oder unbewaffnete Verbrecher zu verteidigen, von denen weder Fairness noch Mitleid zu erwarten war, bedienen sie sich auch heute noch weithin tabuisierter oder unfairer Techniken und zielen ausdrücklich darauf ab, den Angreifer so zu bekämpfen, dass er keine zweite Chance erhält.

Kein Wettbewerb heißt: Keine Gewichtsklassen, keine Geschlechtertrennung, keine Altersunterschiede.

Kampfkunst und Kampfsport Unterschied – Unterscheidungskriterien bei Kämpfen

Die Tabelle basiert auf einem Auszug des Buches von Ralf Pfeifer: Mechanik und Struktur der Kampfsportarten – Handbuch für Trainer in Kampfsport und Kampfkunst. Er schlägt folgende (nicht unumstrittene) Unterscheidungskriterien vor:

Kampfkunst Kämpfe Kampfsport Kämpfe
Es gibt keine Regeln. Die SV-Techniken müssen nicht eingegrenzt oder abgeschwächt werden. Die sportlichen Kämpfer dürfen keine dauerhaften Schäden erleiden.
Keine zeitliche Begrenzung. Der Kampf dauert solange bis ein Gegner aufgibt, nicht mehr zu kämpfen in der Lage ist oder sich dem Kampf entzieht. Der Kampf wird von einer objektiven Person (Kampfrichter) überwacht und auch entschieden.
Der Gegner hat immer Recht, wenn die von ihm angewendete Technik erfolgreich war. Der Gegner kann Regelwidrigkeiten begehen, und kann trotz eines Sieges nachträglich disqualifiziert werden.
Die Überlegenheit eines Kämpfers wird genutzt um den Kampf zu gewinnen. Ist ein Kämpfer in einer überlegeneren Situation, kann in manchen Kampfsportarten der Kampf unterbrochen und werden, so dass beide Kämpfer wieder eine gleichwertige Ausgangssituation einnehmen können.
Der Kampf wird zügig beendet, es gibt keine zweite Chance. Der Kampf wird künstlich verlängert, jeder bekommt immer wieder eine neue Chance. Wer einen schlechten Start hatte, kann am Ende dennoch siegen.
Wenn ein Kämpfer aufgibt, muss er trotzdem mit weiteren Angriffen rechnen. Wenn ein Kämpfer aufgibt, ist der Kampf beendet. Der Schiedsrichter sorgt für den sicheren Rückzug des unterlegenen Kämpfers. Weitere Angriffe nach Ende des Kampfes sind unsportlich und werden vom Ringrichters geahndet.
Die Kampftechniken sind umfasst. Es werden auch Verteidigungen gegen häufige und erfolgreiche Angriffstechniken geübt, weil man sich den Gegner nicht aussuchen kann. Die Techniken sind regelorientiert. Es werden nur erfolgsbringende Techniken geübt, die den regelkonformen Gewinn eines Kampfes bezwecken.
Ein oder mehrere Gegner sind nicht bekannt. Auch der Zeitpunkt und die Lokalität kann nicht vorhergesagt werden. Der Gegner, Zeitpunkt und Austragungsort des Kampfes ist Wochen oder Monate vorher bekannt. Somit können sich die Kämpfer entsprechend individuell vorbereiten.

Kampfkünste – Das Fundament aller Kampfsportarten

Den vorangestellten Gedanken folgend, darf man behaupten, dass sämtliche Kampfsportarten aus den Kampfkünsten hervorgingen und sich im Laufe der Zeit ihre jeweiligen sportlichen Nischen suchten und dadurch verfremdet wurden.

Deutlich wird dies nicht nur durch die unterschiedliche Reglementierung, sondern auch durch die Beschränkung auf einzelne der insgesamt 5 verschiedenen Kampfdistanzen.

  • Phase 1: Die Kampfsequenz mit Beinen
  • Phase 2: Die Kampfsequenz mit Händen/Armen
  • Phase 3: Die Kampfsequenz mit Ellbogen und Knien
  • Phase 4: Die Kampfsequenz mit Halten, Hebeln, Kontrollieren, Würgen, Werfen, Gegenwerfen
  • Phase 5: Die Kampfsequenz am Boden

Mit Ausnahme des sog. Vale Tudo / MMA oder Free-Fight arbeiten alle Kampfsportarten ausschließlich innerhalb von einer, zwei oder maximal drei Distanzen.

Die daraus resultierenden Techniken und Verhaltenstaktiken mögen innerhalb der einzelnen Kampfsportarten durchaus ihre Berechtigung und Funktion haben; in einer „freien“ Auseinandersetzung ohne Restriktion von Distanz, eingesetztem Körperteil und Zielbereich (Gelenke, Genitalien, Kehlkopf usw.) gerät der solcherart disziplinierte Kämpfer ins Hintertreffen.

Die Spezialisierung auf Techniken in Abhängigkeit von der zulässigen, vielmehr zugelassenen Distanz kreiert wie so oft den Fachmann, der seine Expertise um den Preis der Vernachlässigung peripherer Fähigkeiten erlangt hat.

Wer gewinnt das Duell? Boxer gegen Ringer?

Derjenige, der mehr von der Kampfwelt des anderen weiß, der komplettere Kämpfer. In diesem Sinne steht der „Allrounder“ im Fokus der Kampfkunst. Ihre Lehre befasst sich also nach wie vor mit allen Distanzen, mit einer Vielzahl von möglichen Situationen und zur Anwendung gebrachter Waffen und nicht zuletzt mit dem Ziel, eine unumgängliche körperliche Auseinandersetzung schnell und kompromisslos zu beenden.

Asiatische Kampfkünste und Philosophie

Diese Kompromisslosigkeit sowie die Rigorosität und Gefährlichkeit der eingesetzten Kampfkunst-Techniken, machen es mehr als bei allen Kampfsportarten unerlässlich, den so gerüsteten Krieger auch die Gewalt über das eigene Potenzial und den verantwortungsvollen Umgang mit seinen Fertigkeiten zu lehren.

Achtsamkeit

Die sensible Wahrnehmung seiner Umwelt, die angemessene Reaktion auf sie, der bewusste Umgang mit ihr, all dies sind Bestandteile einer seriösen Kampfkunstausbildung.

Philosophie

Einflüsse des Taoismus und des Konfuzianismus durchziehen und leiten den Geist, der hinter der Vermittlung der rein handwerklichen Beherrschung der Techniken steht. Die „innere Kultur“ der Kampfkunst hat nichts zu tun mit religiöser Entrückung oder einer esoterisch-mystischen Verklärung der Realität, ihr Ziel besteht in der Mobilisierung der menschgegebenen natürlichen Ressourcen und Fähigkeiten, um sie in jedweder Lebenssituation zur Anwendung bringen zu können.

So dient die Philosophie einer verantwortungsbewussten, allgemeinen und flexiblen Handlungsbefähigung des Menschen. Dies ist ebenfalls ein großer, aber meistens unbeachteter Unterschied.

One thought on “Kampfkunst oder Kampfsport? Der feine Unterschied

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